Dynam.Tendenzen beim Bio-Wein

Stimmungsbarometer für Biowein steht auf „super sonnig“ - Wachsende Zahl von Winzern setzt auf Bio-Dynamik

Das Stimmungsbarometer in der Bio-Weinbranche steht so hoch wie nie zuvor. Auf Bio-Weine spezialisierte Importeure und Händler konnten sich auch 2006 wieder über zweistellige Zuwachsraten freuen. Doch nicht nur die Absatzzahlen klettern nach oben, im Gegensatz zu konventionellen Weinen stimmen dabei auch die Umsatzzahlen der Anbieter.

Die BioFach 2008, Weltleitmesse für Bio-Produkte, ist zugleich auch größte Bio-Weinfachmesse weltweit. Wein-Aussteller aus aller Herren Länder präsentieren Ende Februar 2008 in der neuen Weinhalle ihre Bio-Spitzenweine dem interessierten Fachpublikum. Stilvolles Ambiente, betreute Verkostungszone und Bio-Hochgenuss auf dem Geschmacksparcours und im Hallenrestaurant inklusive! Insgesamt werden auf der BioFach und der parallel stattfindenden Vivaness, Fachmesse für Naturkosmetik und Wellness, 2008 circa 2.600 Aussteller und rund 45.000 Fachbesucher im Messezentrum Nürnberg zum alljährlichen Branchenfest erwartet.

Bio-Dynamik gewinnt an Bedeutung

Im internationalen Wein-Markt setzt eine wachsende Zahl Winzer auf Bio-Weine. Die ökologische Landwirtschaft kennt zwei Anbau-methoden, die biologisch-organische und die biologisch-dynamische Bewirtschaftungsweise.

Biologisch-dynamisch nennt sich die Herstellungsweise nach der anthroposophischen Lehre von Rudolf Steiner. Nicht alleine materielle Substanzen und physische Kräfte der Natur, sondern beispielsweise auch Mondphasen werden berücksichtigt. So wird im bio-dynamischen Weinbau zum Beispiel bei einem Umzug des Weins von einem Fass in ein anderes auch der Gestirnenkalender konsultiert.

Spanien: wachsende Zahl konventioneller Erzeuger steigt um auf Bio

Wachstum und gute Umsatzzahlen veranlassen zunehmend große, renommierte konventionelle Erzeuger der Iberischen Halbinsel, ihr Sortiment um Bio-Weine zu erweitern. In erster Linie sind es Genossenschaften in den Gebieten La Mancha, Rioja, Penedès und der Levante, die zunehmend größere Flächen umstellen. Sie sorgen für ein stetig wachsendes Angebot an Bio-Weinen. Die Mehrzahl dieser Weine wird als Fasswein exportiert, und im Segment Einstiegswein verkauft.

Vor allem private Bio-Weingüter verweisen aber auf reichlich Potenzial für gehobene Qualitäten. Seit einigen Jahren werden kontinuierlich Anbauflächen erweitert, um der steigenden Nachfrage im Preisbereich über 10 Euro gerecht werden zu können.

Österreich: Bio-dynamische Welle erfasst Alpenrepublik

Während in Spanien mit seinen über 15.000 ha Bio-Rebfläche der bio-dynamische Anbau derzeit noch eine absolute Außenseiterrolle spielt, ist in vielen weiteren bekannten Weinbaunationen ein anderer Trend festzustellen. So ist etwa in Österreich seit 2005 eine regelrechte bio-dynamische Welle angerollt. „Die Umstellung hat keine Marketinggründe, denn eine Vermarktungshilfe brauchen wir nicht. Es geht uns um Nachhaltigkeit und eine noch bessere Qualität“, so Peter Veyder-Malberg vom Schlossweingut Graf Hardegg. Er gehört zu einer Gruppe renommierter österreichischer Winzer, die gemeinsam auf bio-dynamischen Weinbau umgestellt haben.

Deutschland: Dynamische Entwicklung im Bio-Weinbau

In Deutschland, wo derzeit etwa 2.000 ha Rebfläche ökologisch bewirtschaftet werden, kommt Bewegung in den Bio-Weinanbau. Ein Motor ist dabei der Verein Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). 15 Verbands-Weingüter bewirtschaften über 12 % der deutschen Öko-Rebfläche. „Weitere fünf unserer Mitglieder befinden sich in Umstellung. In punkto Bio-Engagement erleben wir eine sehr große Dynamik.

Das ist kein Strohfeuer mehr, sondern schon fast ein Flächenbrand“, so VDP-Präsident Steffen Christmann. Wie die Mehrheit seiner Verbandskollegen bewegt auch er sich hin zu bio-dynamischem Anbau.

Frankreich: Elsass ist Vorreiter beim bio-dynamischen Weinbau

Auch in Frankreich ist der Trend zu Bio-Wein unverkennbar. Vor allem die großen Genossenschaften im Süden, speziell im Languedoc und im Gebiet Rhône/Provence, stellen viele Flächen um. Dennoch beträgt der Anteil der bio-kontrollierten Rebflächen bei den meisten Winzergenossenschaften weniger als ein Drittel. Es ist noch viel Spielraum nach oben vorhanden. Dies gilt speziell für das Languedoc, das auf einem guten Weg ist, seinen Ruf als Massenweinregion abzulegen. Die Regionen Bordeaux und Elsass sind starke Bio-Weinbaugebiete. Vor allem im Elsass ist eine deutliche Entwicklung zum bio-dynamischen Anbau feststellbar, vorangetrieben hauptsächlich durch private Winzer. Frankreich verzeichnet aktuell rund 15.000 ha Bio-Rebfläche.

Italien: Spitzenreiter im Bio-Weinmarkt

Italien hat sich innerhalb des vergangenen Jahrzehnts an die Spitze des europäischen Bio-Weinbaus gesetzt. Waren es 1994 rund 3.700 ha, wuchs die bio-kontrollierte Rebfläche bis 2001 auf 44.000 ha an. Seither ist die Bio-Rebfläche jedoch deutlich geschrumpft. Mit über 30.000 ha ist Italien aber noch immer absoluter Spitzenreiter im Bio-Weinbau.

Die Flächenverringerung hatte vor allem zwei Gründe: Im Süden Italiens, wo die meisten Bio-Trauben kultiviert werden, griffen die großen Kellereien lieber auf kostengünstige Trauben für einfache Weine zurück. Für die teureren Bio-Weine fehlten im Süden die Abnehmer. Zudem gingen die Fördermittel für den Bio-Anbau deutlich zurück. Weitaus erfreulicher sieht es in den renommierten Regionen im Norden des Landes, vor allem in der Toskana und im Veneto, aus. Dort sind hauptsächlich private Bio-Weingüter angesiedelt, die den größten Teil ihrer Weine im Ausland absetzen können.

Viel Schwung erhält die Bio-Branche in Italien durch Slow Food Präsidenten Carlo Petrini. Er sieht in der biologischen und vor allem bio-dynamischen Landwirtschaft die Zukunft für italienische Winzer und Bauern, und fördert damit auch in seinem Land den Trend zur Bio-Dynamik.

Zukunftstrend Bio-Wein

Verbraucher fragen Bio-Wein immer stärker nach – und das weltweit. Branchenkennern zufolge gewinnt Bio-Wein beispielsweise auch in den USA unter Sommeliers und Kunden immer mehr Liebhaber. Und in Europa finden Bio-Weine aus den USA eine wachsende Anhängerschaft.

So verzeichnete der größte US-Bio-Betrieb Bonterra Vineyards, der sowohl ökologisch als auch bio-dynamisch wirtschaftet, im schwierigen Jahr 2006 keine Umsatzrückgänge in Europa und entwickelte sich vor allem in Deutschland positiv.

Experten zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die europäischen Winzergenossenschaften noch stärker als bisher dem Thema annehmen. Heute schon steigt die Zahl der konventionellen Genossenschaften, die Bio-Weine vermarkten, und damit zweigleisig fahren. Das ist auch angesichts des Klimawandels sinnvoll. Dies bestätigt der rheinhessische Winzer und Öko-Pionier Günter Wittmann: „Vor allem durch den Einsatz bio-dynamischer Mittel präsentieren sich die Trauben besser und werden früher reif.“ Die Trauben haben bei optimaler Reife in der Verarbeitung einen geringeren Alkoholgrad als entsprechende Traubenqualitäten aus konventionellem Anbau, die länger am Stock hängen müssen. Branchenexperten zufolge werden Weine durch den Klimawandel und entsprechend schwierige Witterungsverhältnisse immer alkoholreicher, was Weingenießer nicht freut und vermieden werden sollte. Vielfältig sind die Argumente, die für den Bio-Weinbau sprechen. Die Vielfalt des Bio-Weins weltweit können Fachbesucher auf der BioFach 2008 erleben und genießen.

Quelle: oekonews / holler