Strom aus kanadischem Wein

Von Traubenrückständen über Biogas bis zur Stromerzeugung

Toronto (bfai) - Kanadischer Wein ist außerhalb der Landesgrenzen wenig bekannt. Noch kurioser mutet die Elektrizitätserzeugung aus dessen Rückständen an. Um dieses Projekt aber Realität werden zu lassen, hat sich jetzt eine der führenden Weinkellereien Kanadas mit einem Biogasproduzenten und einem deutschen Beratungsunternehmen zusammengetan. Letzteres liefert das Know-how und hilft bei der Errichtung der Anlage. Auch Projekte auf Basis anderer Bio-Abfälle, von Agrar- bis zu Festmüll, zeichnen sich auf den Reißbrettern ab.

Die im kanadischen Weinbaugebiet Niagara-On-The-Lake angesiedelte Weinkellerei Inniskillin Wines entsorgt bislang ihre Abfälle aus dem Produktionsprozess (Traubenkerne und -häute) auf einer offenen Abfallhalde. Dort faulen sie vor sich hin und setzen unnütz Methan frei. Da es hierfür jedoch eine umweltfreundlichere Verwendung gibt, wolle man sie auch nutzen, erklärte der Unternehmensleiter Bruce Nicholson im Gespräch mit der bfai.

Hierzu hat seine Weinkellerei einen Vertrag mit dem Biogasproduzenten StromFisher Biogas abgeschlossen, der die jährlich anfallenden 2.000 t Rückstände aus der Weinherstellung abnimmt. Statt wie bisher eine Entsorgungsgebühr zu zahlen, erhält Inniskillin Wines fortan einen geringen Betrag für die Überlassung der Abfälle. Diese durchlaufen einen geschlossenen Container und produzieren unter Zusatz von anaeroben Bakterien ein Gas, das hauptsächlich aus Methan besteht. In einem industriellen Prozess wird dieses dann verbrannt, um einen Generator anzutreiben oder auch Erdgas zu erzeugen. Das von StormFisher geplante Biogas-Werk in Port Colborne ist eines von drei Projekten, die das Unternehmen 2008 und 2009 in der Provinz Ontario errichten will. Jedes der drei Werke werde rund 2,5 MW Elektrizität erzeugen.

Auf der technischen Seite arbeitet StormFisher Biogas mit der deutschen Firma Krieg&Fischer Ingenieure zusammen. Das auf Biogas-Anlagen spezialisierte Beratungsunternehmen konzipiert und installiert die Anlagen bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Bislang befinden sich die Vorhaben noch im Genehmigungsprozess, dürften aber 2009 betriebsbereit sein, erklärte Chris Guillon von der Firma StormFisher. Die Maschinen und Ausrüstungen für die Projekte werden dabei weltweit beschafft, wobei sicherlich auch ein Teil aus Kanada und den USA kommt.

Die Zusammenarbeit mit einem deutschen Partner biete sich deshalb an, weil Deutschland auf dem Gebiet der Elektrizitätserzeugung aus Bio-Abfällen als führend gilt. Kanada sei auf diesem Feld noch nicht so weit wie Europa, konstatiert Guillon, gewinne aber an Bedeutung. Schließlich spielt die Landwirtschaft im zweitgrößten Land der Erde nicht nur traditionell ein wichtige Rolle, sie nimmt auch dank des mittlerweile eingesetzten Agrarbooms kräftig zu. Außerdem steigt mit den wachsenden Müllhalden auch das Umweltbewusstsein.

Als Treibstoff für die Biogas-Anlangen von StormFisher kommen nicht nur Rückstände aus der Weinherstellung in Frage, sondern eine Vielzahl biologischer Rohstoffe: von Schlachthausabfällen über Viehzuchtdung bis zu Rückständen aus der zunehmenden Ethanolproduktion. Deshalb klopfte StormFisher bei Landwirtschaftsbetrieben und Lebensmittelverarbeitern im Süden Ontarios an die Tür und fand diese unter anderem bei der Inniskillin Wines offen.

Auch mit städtischem Festmüll lässt sich "grüner" Strom erzeugen. Nachdem in der Landeshauptstadt Ottawa bereits seit Mitte 2007 ein 4-MW-Pilotprojekt täglich 85 t Abfall in Elektrizität umwandelt, sollen weitere Vorhaben folgen. Hierzu verfügt das Unternehmen PlascoEnergy Group über ein patentiertes System, das aus städtischem Abfall synthetischen Treibstoff gewinnt, der dann bei niedrigen Emissionen verbrannt und in Elektrizität umgewandelt wird. Darüber hinaus kann das Unternehmen nun für 2008 mit 115 Mio. US-$ an frischen Finanzmitteln aus der US-Fondsgesellschaft First Reserve rechnen. Diese Mittel sind für den Bau und die Inbetriebnahme von mehreren Projekten vorgesehen.

So verfüge die PlascoEnergy Group bereits über eine vorläufige Vereinbarung mit der Abfallbehörde der Zentralregion in der Provinz Alberta. Ziel ist die Errichtung einer Anlage mit einem Durchlauf von 300 t pro Tag in der Stadt Red Deer. Als Bedingung gilt jedoch der erfolgreiche Betrieb des Pilotprojekts in Ottawa. Mit zwei anderen städtischen Gemeinden stehe ein Abschluss kurz bevor, bei zehn Vorhaben sei man im fortgeschrittenen Verhandlungsstadium, erklärte der Plasco-Geschäftsführer Rod Bryden laut Pressemeldungen.

Dabei rechnet der Stromerzeuger damit, dass er in der Provinz Ontario von den Stadtverwaltungen rund 65 kanadische Dollar (kan$; rund 44 Euro; 1 kan$ = 0,68 Euro) pro Tonne Festmüll erhält. Dies ist weniger als das, was die meisten Gemeinden bezahlen, um den Müll auf die Halde zu bekommen. Auf der Output-Seite erwartet Plasco 11 kanadische Cents pro Kilowattstunde. Ungefähr denselben Preis erhalten auch Elektrizitätserzeuger, die Strom aus dem Methan der offenen Abfalldeponien erzeugen. Bei diesem Verfahren geht jedoch fast ein Drittel des Gases verloren.

Von Rainer Jaensch / www.bfai.de