Bio-Wein - aber ganz geheim ?!

Es gibt einerseits die zertifizierten, kontrollierten und anerkannten Bio-Weinbaubetriebe und andereseits Möchtergern-Bio-Betriebe, die ihre Weinproduktion zwar mit Worten (bis zur Unkenntlichkeit) dekorieren, sich aber nicht den EU-Verordnungen unterwerfen und sich letztendlich nicht in die Karten schauen lassen.

Bio-Weinbau scheint ja richtig Sex-Appeal zu haben; denn unglaublich viele Winzer behaupten, biologischen Weinbau zu betreiben und - wenn schon, denn schon -  wird es gleich noch biologisch-dynamisch! - Nur, auf dem Etikett wird es nicht ausgelobt…

„Wir machen eh bio, nur schreiben wir es nicht drauf“ - Ja, warum nicht? Ist man sich zu nobel, geniert man sich, weil man biologisch (ökologisch) arbeitet, ist die Kontrolle zu teuer oder will man sich Hintertürchen offen lassen? Weil man am eigenen Bio-Betrieb zu wenig Trauben hat und dazu gekauft wird von konventionellen Betrieben.

Die Konsumentin, aber auch der leicht irritierte Weinschreiber, lässt sich sodann gerne den gesamten Flascheninhalt als Bio verkaufen. Ja, das gilt sogar noch als besonderes Understatement, wenn Bio zwar auf der Homepage und verbal kommuniziert wird, aber auf der Flasche keine Kontrollnummer steht.

Für beide, die biologisch-organische Richtung und den bio-dynamischen Weg, gibt es nur eine einfache Sicherheit für die KonsumentInnen: Auf dem Etikett wird mit einer gut erkennbaren Bio-Kontrollnummer die Bio-Produktion ausgelobt und mit dem - leider ziemlich unscheinbaren – EU-Logo (Blatt mit Staatensternen). Das  Bio- oder Ökozertifikat einer anerkannten Kontrollfirma dient dem Verbraucher als Grundgarantie.

Produzenten, die sich diesen Richtlinien nicht unterstellen, können viel heiße  (und oft auch recht werbewirksame) Luft produzieren, aber sie geben null Sicherheit, dass der Wein aus biologischer Landwirtschaft stammen. Außerdem verwässert es die Jahrzehnte lange Bemühung der B(P)ioniere, dass dort wo „bio“ draufsteht auch „bio“ drin ist.

Zertifizierte Betriebe haben eines gemeinsam: Sie bewirtschaften ihre Weingärten nach biologischen Richtlinien. Die einen bio-dynamisch nach Demeterrichtlinien, die andern biologisch-organisch (viele mit einigen Anleihen von Steiner).

Die Gründe, warum  die jeweilige Richtung ausgewählt wurde, sind unterschiedlich und gegenseitig zu respektieren.

Bei der Vinifizierung (dem „Weinmachen“) sind die Demeterichtlinien sicher die kompromisslosesten, während bei den biologisch-organischen Winzern, verschiedene Eingriffsmöglichkeiten bei der Weinbereitung zugelassen sind, die allerdings Bio-Standards entsprechen müssen. Hier geht die Bandbreite vom fast gestylten Wein bis zum Null-Eingriff und der Vermeidung jeglicher Schönung.

Gitta Rupp
Südsteiermark