Begutachtung zum "Änderungsentwurf des steirischen Landesweinbaugesetzes 2004" - Gitta Rupp, 31.01.2012

Bio-Tafeltraubenanbau in Steiermark

Stellungnahme der Sprecherin des Arbeitskreises „Bio-Tafeltrauben Naturpark Südsteirisches Weinland“ zum vorliegenden Änderungsentwurf des steirischen Landesweinbaugesetzes 2004 durch die FA10A

Mehrere steirische  landwirtschaftliche Betriebe haben sich entschlossen, durch den Anbau von Bio-Tafeltrauben ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein zu schaffen.

1999/2000 wurde in den meisten Weinbau betreibenden EU Staaten die Produktion von Tafeltrauben aus der Weinmarktordnung herausgenommen und sie gehört hiermit in den Bereich Obstbau.

Begründung war, dass die Produzenten unabhängig von der Weinmarktordnung in diesem Bereich einen größeren Spielraum haben sollen, die Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach heimischen Tafeltrauben befriedigt werden und nicht zuletzt, dass der Tafeltraubenanbau flächenbezogen nicht in Konkurrenz zum Keltertraubenanbau stehen soll und insofern außerhalb der ausgewiesenen Weinflächen erfolgen kann. Auch die Vereinfachung des Verwaltungsprozedere war ein gewichtiges Argument.

Die Tafeltraubenflächen können also frei gewählt werden, anschließend erfolgt beim Weinbauamt oder der entsprechenden Behörde die Meldung (nicht beantragt – nur gemeldet). Vergorene Getränke aus Trauben (Wein und Sturm) dürfen nicht hergestellt werden, sehr wohl aber Traubensaft, Brände, Marmeladen und Ähnliches.

Die außerhalb der Weinbaugemarkung gepflanzten Tafeltrauben dürfen nicht in der Keltertraubenliste aufscheinen. Sollten Tafeltrauben ausgepflanzt werden, die als Keltertrauben (z.B. Phönix, Regent, Gutedel usw.) klassifiziert sind, so unterliegen diese der Weinmarktordnung.

Jedoch wurden die österreichischen Landesweinbaugesetze, damit auch das steirische, dieser  klaren und logischen Vorgehensweise - aus welchen Gründen auch immer – nicht angepasst und die Tafeltraube im letzten  Landesweinbaugesetz 2004 quasi als Fußnote beibehalten. Der Anbau von Tafeltrauben spielte allerdings bei der letzten Änderung des steirischen Landeseinbaugesetzes noch nicht diese Rolle und die weitere Entwicklung wurde nicht vorausschauend falsch  eingeschätzt.

Durch die rasch fortschreitende Entwicklung der sogenannten PIWI-Sorten (pilzwiderstandsfähige) und dem steigenden Bedarf nach regionalen Produkten mit einem möglichst geringen ökologischen Fußabdruck, entstand in Österreich ein immer größeres Interesse an der Produktion von Tafeltrauben - so auch in der Steiermark.

Als größte Bremse bei der Verwirklichung dieses Produktionsbereiches -  deren Risiken, den Arbeitsaufwand, den finanziellen Einsatz, die Vermarktungswege ausschließlich die künftigen Tafeltraubenproduzenten tragen – erweist sich das steirische Landesweinbaugesetz!

Das steirische Landesweinbaugesetz hat als Kernziel einen qualitätsorientierten Weinbau. Angesichts des geringen Anteils an Gunstlagen für den WEINbau, wird das Neuauspflanzungsrecht aus der regionalen Reserve sehr strikt gehandhabt. Es müssen neben verschiedenen zu erfüllenden Auflagen pro Hektar 2000,- € an das Weinbaukomitee entrichtet werden. Viele Weinbauern erkaufen sich ein sogenannten Pflanzrecht bei anderen Betrieben, die eine Weinfläche auflassen. Das alles betrifft die Weinproduktion (vergl. Rechnungshof Wahrnehmungsbericht 2005) aber nicht der Gewinnung von Tafeltrauben.

 

Die gesetzliche Trennung von Tafeltraubenanbau und Keltertraubenproduktion ist überfällig. Denn was sich für den WEINbau (Keltertrauben) als schützende gesetzliche Maßnahme legitimieren kann, gleicht bei der Tafeltraubenproduktion einer überreglementierenden Verhinderungsmaßnahme, das gilt auch für den zur Begutachtung vorgelegten Entwurf zur Änderung des steirischen Landesweinbaugesetzes.

Warum seitens der österreichischen Weinbauvertretung und der Fachabteilung der Landesregierungen, die in der EU seit über 10 Jahren zum Wohle der Traubenproduzenten bestehenden Regelung¸ so nachhaltig blockiert wird, ist logisch nicht nachzuvollziehen. Denkbar ist, dass hier der vom Rechnungshof 2005 genannte Interessenkonflikt der Weinbauvertretung  der steirischen Landwirtschaftskammern zusätzlich verhindernd wirkt.

Die im Entwurf gelisteten Tafeltraubensorten sind insofern dienlich, als auch einige der oben  erwähnten PIWI-Sorten aufscheinen. Jedoch ist die Liste zu eingeschränkt. Es gibt mittlerweile Sorten, die für den Erwerbs-Tafeltraubenanbau den genannten Sorten überlegen sind und speziell den steirischen Klimagegebenheiten besser entsprechen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Entwicklung von PIWI-Sorten für den Tafeltraubenanbau rasch voranschreitet und der Konsument nicht wie im Bereich Wein bestimmte klassische Edelsorten vorzieht und sich nur sehr zaghaft eine Akzeptanz für Weine aus bestimmten PIWI-Trauben einstellt. Bei Tafeltrauben ist dem Kunden hingegen nicht die Sorte wichtig, sondern, dass sie schmecken: nicht zu süß, erfrischend säuerlich, wenig Foxton, eher mit Muskataroma, mittlerweile rot vor grün, grün vor gelb, gelb vor rosa. Sie dürfen keinerlei Rückstände aufweisen (im konventionellen Anbau in D Problem Folpet) und BIO wird bevorzugt.

Eine Rebsortenliste darf – wiederum EU entsprechend - lediglich empfehlenden Charakter haben und  muss flexibel gehandhabt werden.

Mit dem vorgelegten Entwurf der FA10A sind der Spielraum und die Entscheidungsmöglichkeit für den österreichischen Tafeltraubenanbau im Vergleich zur Tafeltraubenproduktion in den anderen europäischen Staaten ungleich stärker eingeschränkt und es sind auch die gleichen Wettbewerbschancen für Österreichs Produzenten nicht gegeben.

Der Verwaltungsaufwand ist hierzulande wesentlich höher für Produzenten und Weinbaubehörde als in den anderen EU-Staaten (beispielsweise sind seit fast einem Jahr noch nicht einmal alle Anträge für das Auspflanzrecht aus der regionalen Reserve Steiermark für Keltertraubenanbau erledigt).

Das ganze Prozedere von Antragstellung, Begutachtung, Genehmigungsverfahren ist einerseits enervierend und dient andererseits der Qualität des Tafeltraubenanbaus in keiner Weise. Etliche steirische Tafeltraubenanbau-Interessenten haben ihren Elan verloren und die Nische Tafeltraube von ihrer Zukunftsplanung gestrichen, während im LEH, in Bioläden und bei den Konsumenten das Interesse steigt.

 

Wir gehen davon aus, dass die Herausnahme des Tafeltraubenanbaus aus dem Landesweinbaugesetz die klarste und zielführendste Lösung für alle Beteiligten ist, als auch die  mit dem geringsten Verwaltungsaufwand (aktuelles Sparziel) und fügen als exemplarische Verordnungsgrundlage die deutsche Bestimmung an.

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau

Allgemeine Informationen über Tafeltraubenanbau:

Seit dem Jahr 2000 erlaubt die EU-Weinmarktordnung auch in Deutschland den erwerbsmäßigen Anbau von Tafeltrauben. Tafeltrauben können unbeschränkt auf allen Flächen angebaut werden: Obst- und Weinbaubetriebe können damit ihr Sortiment erweitern.

Gesetzliche Bestimmungen:

- Die Fläche und die angebauten Sorten müssen, wie die Keltertraubensorten, bei der Weinbaukartei (für Bayern an der LWG Veitshöchheim) gemeldet werden.

Hinweis: Die Anpflanzung von Sorten zur Tafeltraubennutzung, die als Keltertraubensorte klassifiziert sind, wie z.B. Solaris, Phoenix oder Regent, ist nur auf Flächen mit weinrechtlicher Genehmigung möglich.

- Aus den geernteten Tafeltrauben darf kein Wein oder Federweißer hergestellt werden. Die Produktion von Traubensaft und Traubenbrand ist erlaubt.

- Die eingesetzten Pflanzenschutzmittel müssen für den Tafeltraubenanbau zugelassen sein.

- Bei Verkauf an den Handel sind die Handelsklassen bei Tafeltrauben zu berücksichtigen.

Allgemeine Kulturhinweise:

Als Sorten empfehlen wir pilzwiderstandsfähige Tafeltraubensorten, die mit wenig Pflanzenschutz auskommen und daher beim Verzehr extrem niedrige

Pflanzenschutzmittelrückstände aufweisen, die deutlich unter den zugelassenen Höchstwerten liegen.

Biologischer Anbau:

Mit biologisch erzeugten Tafeltrauben hat der Anbauer die größten Chancen auf dem deutschen Markt. Der Bio-Lebensmittel-Einzelhandel wirbt derzeit mit dem Slogan: „biologisch, gesund, regional und umweltfreundlich“. Biologisch erzeugte Tafeltrauben weisen extrem niedrige Pflanzenschutzmittelrückstände auf und durch die regionale Erzeugung fällt der CO2 - belastende Ferntransport aus südlichen Ländern weg. Durch die kurzen Wege zum Markt kann der Anbauer die Trauben bis zur Vollreife am Stock belassen und den Kunden frische, vollreife, aromatische und süße Früchte anbieten. Das sind die wesentlichen Vorteile gegenüber der Importware

In der Hoffnung auf zielführende und zügige Entscheidungen im Sinne der Bio-Tafeltraubenproduzenten verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Gitta Rupp

Projektleiterin „Bio-Tafeltrauben aus dem Naturpark Südsteirisches Weinland“

(siehe auch
Match im Steirerland:
Steirisches Landesweinbaugesetz gegen Weinbauern und Tafeltraubenproduzenten
)

Gitta Rupp
Südsteiermark