Viele hundert europäische Winzerinnen und Winzer und ein Manifest

In einem würdigen Rahmen im Palazzo Vecchio in Florenz unterzeichneten am 7. Dezember 2009 die Vignerons de’Europe eine Charta, wie sie europaweit bislang noch nicht zustande gekommen war.

SaalMit diesem Manifest Vignerons de’Europe wird sehr deutlich, dass es zur zunehmend industrialisierten Weinherstellung mit dem entsprechenden uniformen alkoholischen Produkt eine starke Gegenbewegung gibt. Die unterzeichnete Charta ist ein kraftvoller Auftakt, der weder Brüssel, noch die Weinindustrie, auch nicht die ministeriellen Weinbaufunktionäre und die großen Handelsketten unbeeindruckt lassen sollte.

Unmittelbar voraus gegangen ist dem Manifest Vignerons de’Europe eine Veranstaltung vom 5. bis 7. Dezember 2009 im Thermenort Montecatini mit Fachvorträgen, Praxisberichten und engagierten Diskussionen. Übersetzt wurde in vier Sprachen simultan.

Initiiert wurde das Treffen von Slow Food Italien führend von Slow Food Toscana. Teilgenommen haben über 500 Winzer und Winzerinnen, die in ihrer Grundphilosophie mit der Aussage des Vorsitzenden von Slow Food Italien Roberto Bures übereinstimmen: „Jede Flasche Wein ist ein kulturelles Produkt. Der Wein verbindet Geschichte, Tradition und Identität mit dem Erzeuger. Ein industriell erzeugter Wein hat von alledem nichts.“

DraussenEs war für die vielen Winzerinnen und Winzer, die sich als Wein-Handwerker verstehen, ein mehr als beeindruckendes Zusammentreffen mit anderen ebenso authentischen Weinbauern aus Italien, Frankreich, Spanien, Tschechien, Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Georgien, Deutschland, Schweiz, England, Slowakei, Ungarn, Österreich und sogar von der türkischen Ägäisküste. Beim gemeinsamen Verkosten der Weine und dem unvoreingenommenen Austausch beim gut organisierten Essen und Musik lebte  Wein-Handwerk wieder als das auf, was es seit Jahrtausenden war: Kult und Kulturgut, Spirit und Handwerk.

Jede Winzerin /Winzer hat etwas versäumt, der nicht den großen Markt der Vignerons de’Europe am Piazza Santissima Annuntiata besucht hat, auf dem sich die Vignerons nach Unterzeichnung des Manifest Vignerons de’Europe mit ihren Weinen vorstellen konnten. Beeindruckend die Kulisse, begeisternd die Weinvielfalt mit den Produzentenpersönlichkeiten. Es wurde quasi Naturalhandel betrieben, Bouteille gegen Bouteille – fein, was da nun wieder unser Privatsortiment bereichert.

Von den teilnehmenden Winzern/Winzerinnen waren rund 20 % Bio-Produzenten.

Österreich war mit sechs südsteirischen Bio-Weinbauern vertreten, die sich der möglichen Tragweite von Vignerons de’Europe bewusst waren. Von den offiziellen österreichischen Weinbauvertretern wurde diese markante europäische Veranstaltung anscheinend nicht registriert. Für Brüssel wird dieses Signal unüberhörbar sein.

In zwei Jahren wird wieder ein von Slow Food organisiertes Treffen der Vignerons de’Europe stattfinden. Hoffen wir, dass bis dahin das Manifest Vignerons de’Europe auch in der österreichischen Weinszene zu regem Diskurs geführt hat.

Gitta Rupp

Sprecherin der Plattform BIO-Steirer-WEIN

Referenten

  • Xavier de Volontat (Château Les Palais, Languedoc-Roussillon und Praesident des CEVI = Dachverband der unabhängigen europäischen Winzer)
  • Hansjoerg Rebholz (Oekonomierat Rebholz, Pfalz)
  • Primoz Lavrencici (Kmetija Sutor - Vipava, Slowenien)
  • Justo Casado (Dominio del Cuco – Ribera del Duero)
  • Costantino Charrere (Les Crêtes - Valle d’Aosta, Italien)
  • Carlin Petrini

Seminar Identität und Ethik des Winzers:

  • Reinhard Löwenstein (Weingut Heymann-Löwenstein)
  • Walter Massa (Vigneti Massa, Italien)
  • Lotte Pfeffer-Mueller (Weingut Brueder-Dr-Becker, ECOVIN, Germania)
  • Moderator: Giancarlo Gariglio (Slow Food)

Weiterhin

  • Pau Moragas (L’Olivera, Katalonien, Aufruf zum Netzwerk „sozialer Weine“, integration von Behinderten durch die Arbeit im Weinberg)
  • Andrea Zanfei (Fattoria Cerretto Libri, Toskana)
  • Ampelio Bucci (Bucci, Marche)
  • Pierre Frick (Elsass)
  • Enrico Togni (Weingut Togni-Rebaioli, Val Camonica, Lombardei)

Wasser Boden und territorielle Ressourcen

  • Saverio Petrilli (Tenuta di Valgiano, Italia),
  • Paulin Köpfer (Weingut Wolfgang Zähringer, ECOVIN Baden)
  • Jean-François Hulot (Europaeische Kommission, Chef der Einheit AGRI H3, Biologischer Landbau)
  • Moderator: Uwe Hofmann (ECO-Consult & ECOVIN Deutschland)
  • Co-Moderator: Manuel di Vecchi Staraz (ampeograph und Forscher der Uni Verona)